massentierhaltung

Protestfunke zündet

Die geplante Ansiedlung eines Geflügelschlachthofes in Wietze hat viele Menschen im Landkreis Celle in ungeahnte Proteststimmung versetzt. Und das betrifft nicht allein das ehemalige Erdöldorf. In vielen Gemeinden wird eine Ansiedlung von Geflügelmastställen befürchtet.

Landrat Wiswe und die „große Koalition“ der Befürworter aus CDU/SPD/FDP dürften mit derartigem Widerstand kaum gerechnet haben. Zumal es inzwischen auch in den eigenen Reihen erheblich knirscht. Als im vergangenen Herbst durchsickerte, dass die Firma „Celler Land Frischgeflügel GmbH“ in Wietze einen Geflügelschlachthof ansiedeln will, gingen in Wietze sofort viele Bürger_innen „auf die Barrikaden“. Selbstverständlich geht es ihnen um die befürchteten negativen Einflüsse vor ihrer Haustür. Angesichts der Dimension des Projekts dauerte es aber nicht lange, bis klar war: Durch die erforderliche Ansiedlung von Geflügelmastställen droht eine Emslandisierung der Region.

Die Fakten, die seit Februar auf dem Tisch liegen sprechen eine deutliche Sprache über die Schlachtkapazität:

27.000 Tiere in einer Stunde, 432.000 Tiere am Tag, 2.592.000 Tiere in der Woche, 134.784.000 Tiere im Jahr

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Strohmann für Maststall gesucht

»Frontal 21« und N3 »Hallo Niedersachsen« berichteten im Februar in ihren Sendungen von einem Landwirt, der von Investoren besucht wurde, um als »Strohmann « für die Massentierhaltung aufzutreten. Der Landwirt sollte auf seinem Grund und Boden die Flächen bereit halten, um eine Massentierhaltungsanlage in einer bisher hier noch nie da gewesenen Form zu errichten. Die Rede ist von einer Dimension, die kaum vorstellbar ist. Hier im Landkreis Celle sollten Ställe für 400.000 Hühner entstehen.

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Transporte aus Dänemark & Gefahr durch MRSA-Keime

Bauernhöfe statt AgrarindustrieDie Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bezweifelt die Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministers Jörg Bode, wonach der Geflügelkonzern Rothkötter für seinen Mega-Schlachthof in Wietze (bei Celle) lediglich zu einem Prozent auf Masthühner- Lieferungen aus Dänemark zurückgreift. Informationen von Brancheninsidern zufolge habe Rothkötter für seinen unausgelasteten Schlachthof etwa 40 dänische Mäster beim dortigen Geflügelkonzern Rose Poultry abgeworben. Sollten diese Angaben zutreffen, wären dies – bezogen auf den Schlachthofbedarf in der ersten Ausbaustufe – etwa 40 Prozent der Tiere. Nach Einschätzung der AbL kommen viele Tiere für Rothkötters Schlachthof in Wietze ohnehin aus Regionen außerhalb eines Umkreises von 100 – 150 Kilometern, der nach Ansicht von Experten noch rentabel hinsichtlich der Transportkosten sei. Rothkötter habe mangels Interesse der allermeisten Landwirte schließlich seine Werbeanstrengungen auf Schleswig-Holstein und auch auf Dänemark ausdehnen müssen.

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Acht Liter Wasser für ein Hähnchen benötigt der in Bau befindliche Geflügelschlachthof in Wietze – täglich die zweifache Menge des Wassers im Wietzer Freibad: bei zwei Schlachtlinien also drei bis vier Millionen Liter – täglich! Nachdem die Betreiberfirma Celler Land Frischgeflügel GmbH die Option einer Wasserentnahme in Bannetze/Thören nicht weiter verfolgte, wurde im Herbst ein Liefervertrag mit der SVO geschlossen. Im Dezember konfrontierte die BI Wietze die Öffentlichkeit mit einer brisanten Information: Die Menge von bis zu 1,15 Million Kubikmeter pro Jahr soll vom Wasserwerk Garßen aus über eine neue Wasserleitung bis nach Hambühren transportiert werden. Dort soll das Wasser in eine bereits vorhandene 300 mm Transportleitung eingespeist und nach Wietze geleitet werden. Die politischen Gremien in Stadt und Landkreis, ja nicht einmal der Oberbürgermeister der Stadt Celle, waren hierüber bis dahin informiert.

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Ungültiger Bebauungsplan?

Anfang September hat die Celler Land Frischgeflügel GmbH & Co. KG am Standort Wietze die Produktion aufgenommen. Die Hähnchenverarbeitung findet zunächst an einer Produktionslinie im Einschichtbetrieb statt. 325 Leute werden in der Verarbeitung, der Verpackung und in der Lagerwirtschaft beschäftigt, darüber hinaus wurden auch LKW-Fahrer und Mitarbeiter in der Verwaltung, der Qualitätssicherung und im technischen Bereich eingestellt. Innerhalb von rund zwölf Monaten entstanden auf dem 15 Hektar großen Grundstück neben der Verarbeitungsanlage auch Verwaltungsund Sozialgebäude. Zudem wurde die Verkehrsinfrastruktur für die Arbeiter_innen und die an- und abliefernden LKW geschaffen sowie ein betriebseigenes Klärwerk errichtet.

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„Das ist moderne Sklaverei!“

Unverkennbar war José Bové der „Stargast“ des Abends. Auf den französischen „Agrarrebellen“, „Attac- Mitgründer“ und „Globalisierungskritiker“ waren die Kameras genauso gerichtet wie das Interesse der Besucher_ innen. Initiiert hatte die Veranstaltung zur industriellen Landwirtschaft die bündnisgrüne Europaabgeordnete Rebecca Harms, die Bové zu ihren Fraktionskollegen zählen kann. Neben dem Parlamentsgespann waren als weitere Redner Norbert Juretzko, der Vorsitzende der BI gegen den Wietzer Schlachthof, sowie Eckehard Niemann von der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ auf dem Podium. Eine Diskussion im eigentlichen Sinne gab es nicht an jenem 23. September in Lehmanns Partyscheune in Klein-Hehlen; mit gut 100 Besucher_innen aber hatte die Veranstaltung durchaus den Charakter einer Kundgebung gegen die industrielle Massentierhaltung – denn Befürworter des Wietzer Schlachthofprojekts fanden sich weder unter den Redner_innen, noch in größerer Zahl im Publikum.

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Wir machen die Kuh zur Sau

Die Herausforderungen sind dramatisch. Aber angesichts der Macht der europäischen Agrarlobby sind die Chancen für eine Wende in der Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik eher gering. Dieses düstere Fazit muss sich eingestehen, wer im Februar die Veranstaltung der Kreisgruppe des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und des Ev.-luth. Kirchenkreis Celle besucht hat. Der Vortrag des BUND-Vorsitzenden Hubert Weigert (siehe Foto) zeigte in aller Schärfe die Probleme auf, skizzierte auch Lösungsansätze – aber er ließ keinen Zweifel daran, dass von einer Tendenzwende nichts zu erkennen ist. Insoweit ist es erstaunlich, dass der Kommentar in der Celleschen Zeitung („So unversöhnlich scheinen die Positionen gar nicht immer zu sein“) und die PM des Kirchenkreises („Veranstaltung [führt] zu einer weiteren Annäherung der Positionen“) die Widersprüche eher verkleisterten.

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BI Flotwedel kritisiert Gemeinde

Auf der öffentlichen Sitzung des Rates der Gemeinde Wienhausen Anfang April stand ein, zumindest bei den Bürger_innen, umstrittener Punkt auf der Tagesordnung. Der Gemeinderat hatte darüber zu entscheiden, ob er eine Stellungnahme zum Genehmigungsverfahren zweier Hähnchenmastställe in der Gemarkung Helmerkamp abgibt. Bereits aus der Beschlussvorlage ging hervor, dass der Gemeinderat auf diese Stellungnahme verzichten sollte. Die vor diesem Tagesordnungspunkt stattfindende Einwohnerfragestunde nutzen Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative Flotwedel, um die Gründe für den Verzicht auf eine Einflussnahme der Gemeinde auf das Genehmigungsverfahren zu erfahren.

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Hähnchenteile aus Europa ruinieren Kleinbauern in Westafrika

Damit hatte der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN) nicht gerechnet: Ein voll besetzter Anne-Frank-Saal im Urbanus-Rhegius-Haus zum Thema »Fleischexporte nach Afrika – Fluch oder Segen?« Noch vor zwei Jahren wäre wohl nicht mal ein Viertel der Besucher_innen gekommen. Aber: Die Diskussion um den Wietzer Schlachthof und die damit für die Region zu befürchtenden Geflügelmastställe haben die Ernährungsfrage in den Fokus des Interesses gerückt. Neben der Lehrstunde über europäische Agrarexportpolitik waren es am Ende vor allem »Ungleichzeitigkeiten« der Probleme, die nachdenklich machen konnten.

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Alles ist möglich – ihre CDU

Ende August hatte der Samtgemeinderat Flotwedel abzustimmen über einen von der »Bürgerinitiative Flotwedel – für einen respektvollen Umgang mit Nutztieren « eingereichten Resolutionsentwurf gegen den Bau von Geflügelmastanlagen. Samtgemeindedirektor Helfried Pohndorf hatte den Resolutionstext praktisch unverändert zur Abstimmung gestellt, weil auch er die Auffassung der BI teile, dass „das Boot voll sei.“ Gleichwohl mache die derzeitige Rechtslage ein Versagen von Genehmigungen nahezu unmöglich, wenn die formellen und materiellen Erfordernisse vom Antragsteller erfüllt werden. Gerade weil das Flotwedel viele Flächen vorhalte, in denen der Bau von Anlagen im Außenbereich möglich ist, erhoffte sich der Samtgemeindedirektor eine Zustimmung zur Resolution der BI (siehe unten).

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